Meine Vorlesung zur Einführung in die germanistische Sprachwissenschaft aus dem Wintersemester 2019/2020 (FU Berlin) ist jetzt auf Youtube verfügbar. Sie basiert auf der dritten Auflage von EGBD.

 

In der zweiten Vorlesung gebe ich zunächst einen Überblick über die Möglichkeiten, Phonetik zu betreiben (artikulatorisch, perzeptorisch, akustisch). Dann führe ich die Artikulationsarten und Artikulationsorte ein, die im Standarddeutschen (Deutschland) zum Einsatz kommen. Zum Schluss weise ich auf einige Besonderheiten der deutschen Phonetik hin, die zur Phonologie überleiten, und die für die Notation im IPA-Alphabet relevant sind (z.B. Endrand-Desonorisierung bzw. Auslautverhärtung). Das IPA-Alphabet wird nicht ausführlich erläutert und muss ggf. mit dem Buch erarbeitet werden. Das Video wurde auf das Nötigste gekürzt und ist daher nur 45 Minuten lang.

Fragen werden versucht, hier im Blog und auf Youtube zu beantworten.

6 Kommentare

  1. Lieber Herr Schäfer,

    herzlichen Dank für die prompte Antwort.

    Meine Frage bezieht sich auf folgende Aussage im Buch:
    Zvi Penner, Vom Sprachrhythmus zur Rechtschreibung, schulverlag blmv AG, Bern, 2007
    Seite 102

    “ Daraus ergibt sich die folgende Regel: Ist der Reimanlaut graphemisch oder lautlich komplex, ist die Dehnung mit /h/ ausgeschlossen. Die Motivation hinter dieser Regel ist womöglich rein ästhetisch: Sie stellt einen Versuch dar, das Schriftbild nicht mit Zeichen zu überfrachten……..

    kam, Kür, Kur……..

    Betrachten wir auch hier die Reimanlaute. Was hier auffällt ist, dass diese Wörter mit einem stimmlosen, alleinstehenden Verschlusslaut /k/, /t/ und /p/ beginnen. Diese Laute haben – wenn sie alleine stehen- im Deutschen eine phonetische Eigenschaft, die man in der Fachsprache als Aspiration bezeichnet. ………..

    In diesem Sinne wären auch diese Anlaute komplex und werden deshalb mit der /h/- Dehnung inkompatibel.

    Wir fassen zusammen: …………schränken die /h/- Dehnung ein…….
    1.Der Anlaut ist rein graphemisch komplex. (ch oder sch)
    2. Der Anlaut ist phonemisch (und damit auch graphemisch) komplex.
    3. Der Anlaut ist aspiriert.

    Mit freundlichen Grüßen
    Elke Schimkus

    1. Liebe Frau Schimkus,
      viele Dank für die Information! Ich werde mich demnächst in einem Blogeintrag und evtl. einem Video dazu äußern und dazu genaue Auszählungen der tatsächlich vorkommenden Muster präsentieren. Die Generalisierung in Zvi Penners Buch ist in der genannten Form jedenfalls einfach falsch. Sowas kann natürlich immer mal passieren, ich weiß ansonsten zwar um die Werke von Herrn Penner, kenne sie aber nicht.
      Beste Grüße
      Roland Schäfer

      1. Lieber Herr Schäfer,
        besten Dank!! Das hilft mir enorm weiter. Ich zweifle nicht mehr an meinem Verstand!!
        Bin gespannt auf Ihr Ergebnis.
        Ein schönes Wochenende und herzliche Grüße
        Elke Schimkus.

  2. Sehr geehrter Herr Schäfer,

    mich beschäftigt die folgende Frage: Warum wird in der Orthographie nicht durchgängig die /h/ Dehnung bei Worten, die ein aspiriertes /k/ im Anlaut haben, ausgesetzt?
    Kür aber Kahn?? Bei aspirierten /t/ und /p/ fallen mir keine Ausnahmen ein.
    Die Schüler lernen, dass bei aspiriertem P, T und K die Dehnung außer Kraft gesetzt wird.
    Können Sie mir da weiterhelfen?
    Danke!!
    Mit freundlichen Grüßen
    Elke Schimkus

    1. Author

      Liebe Frau Schimkus,

      danke für diese Frage! Ich denke jetzt seit einigen Tagen darüber nach und habe auch mit Kolleg*innen gesprochen.

      (1) Mir ist nicht ganz klar, was Sie mit aspiriertem /p,t,k/ meinen. Sind damit die historisch aspirierten Konsonanten gemeint? Ich hoffe nicht, dass Schüler darüber etwas lernen, weil es für die Beherrschung des Gegenwartsdeutschen eher hinderlich wäre.

      (2) Haben Sie eine Quelle, wo sowas unterrichtet wird? Zum Beispiel ein Schulbuch? Es gibt keine belastbare Generalisierung über Silbenanlaute und -Dehnungsschreibungen im Gegenwartsdeutschen. Ich würde das gerne in einem Blog-Artikel behandeln, aber es wäre dazu gut, wenn ich wüsste, was genau Sie meinen.

      Vielen Dank und beste Grüße
      Roland Schäfer

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